Holga D

Holga-Kameras waren analoge Mittelformatkameras, die künstlerische Fotos liefern sollten. Dies erreichten die Kameras durch eine Mischung aus Purismus und jeglichen Verzicht auf technische Raffinesse sowie die Negation qualitativer Ansprüche. Holga-Kameras lieferten im Gegensatz zu den professionellen Mittelformatkameras Bilder mit schlechter Belichtung, Unschärfen, Falschfarben und Streulichteinflüssen. Eine Kamera, die solche Bilder erzeugt, ist technisch keine Herausforderung. Sie als Kunstobjekt anzupreisen und auf den Markt zu bringen, dagegen schon. Dieser Herausforderung hat sich der indische Designer Saikat Biswas gestellt.

Holga D, so nennt sich sein Projekt einer digitalen Holga-Kamera. Dem Vorbild entlehnt ist der groß dimensionierte Sensor der Holga D, der die technisch ansonsten eher minderwertigen Abbilder großformatig speichert wie dazumal der Rollfilm. Ansonsten ist die Technik der Holga D schnell beschrieben, denn sie ist recht übersichtlich. Ein Plastikgehäuse und eine manuell verstellbare Linse bilden die Holga D. Ein Display sucht der Fotograf bei der Holga D vergeblich, hierauf wird verzichtet. Begründet wird dieser Verzicht von dem indischen Designer damit, dass der Effekt des erstmaligen Betrachtens des Fotos am Rechner so der ersten Inaugenscheinnahme eines Abzuges bei der analogen Fotografie nahekäme. Jungen Menschen, die nur Digitalkameras kennen, mag diese Behauptung des Künstlers plausibel erscheinen, aber ältere Fotografen, die schon mit analogen Kameras fotografiert haben, schütteln ob dieser unsinnigen Aussage den Kopf. Denn schließlich hatten sie ihr Bild sehr genau im Kopf und im Sucher, bevor sie den Auslöser betätigten.

Auch beim Design kann die Holga D nichts wirklich Überraschendes bieten. Ein billiges Plastikgehäuse gibt es schon bei vielen Einwegkameras. Einfach nur eine vergangene Entwicklung zu imitieren, mit einem digitalen Speicher zu versehen und sie als “Holga D” zu bezeichnen ist schlichtweg einfallslos. Da scheint es doch weit kreativer, das Objektiv einer sündhaft teuren digitalen Spiegelreflexkamera zu verbiegen, einen “Fair trade” Aufkleber auf das Display zu pappen und mit ernstem Gesicht loszuknipsen.

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